Vor gut zwei Jahren stießen wir einen intensiven Prozess der Organisationsentwicklung an.
Eine Aufgabe, die uns gefordert, aber vor allem gestärkt hat. Hintergrund waren sich verändernde äußere Rahmenbedingungen ebenso wie interne Entwicklungen. Unsere Lebenshilfe Neuss zeigte sich dabei einmal mehr als ein lebendiger, atmender und gesunder Organismus, der das Reflektieren und Weiterdenken lebt. Gemeinsam mit allen Mitarbeiter(inne)n sind wir stolz auf das Erreichte und sehen dabei auch: Stillstand gibt es nicht. Wir entwickeln uns weiter. Jeden Tag.
Der Beginn: Mut zur ehrlichen Analyse
Soziale Organisationen stehen heute unter enormem Druck: Komplexe Finanzierungslogiken, steigender Kostendruck und der allgegenwärtige Fachkräftemangel sind nur einige der externen Herausforderungen. Zunehmende Dokumentationspflichten und regulatorische Anforderungen erzeugen zudem einen enormen Mehraufwand. Diese Faktoren begrenzen unternehmerische Flexibilität erheblich. Gleichzeitig sollen Haltung und Menschen weiterhin im Mittelpunkt stehen – ein Spagat, der täglich in der Lebenshilfe Neuss gemeistert wird. In diesem Umfeld ist es für soziale Einrichtungen überlebenswichtig, ihre Strukturen und Prozesse kontinuierlich zu überprüfen und anzupassen – manchmal auch in größerem Umfang. Uns wurde dabei schnell klar, dass wir für diesen tiefgreifenden Prozess eine externe Perspektive hinzuziehen wollen. Die Entscheidung fiel auf „Team Rheinland“, in der Sozialwirtschaft erfahrene Beratungsfirma.
Ihr zentraler Grundsatz wurde zu unserem: „Das Lernen fängt oben an der Spitze an.“ So begann der Prozess nicht in den einzelnen Teams, sondern bei der Geschäftsführung und den Bereichsleitungen. Dies mit offener und ehrlicher Reflexion über die eigene Rolle und die gemeinsame Verantwortung.
Über Hürden zum gestärkten Miteinander
Der Weg war nicht immer einfach, die Hürden teils hoch; die Arbeitsgruppen aber überall engagiert. Was sich schnell zeigte, war der Mut aller, verkrustete Strukturen aufzubrechen – und schwierige Themen anzugehen. Dieser Prozess war „teilweise schmerzhaft und fordernd“, so Gesine Eschenburg auf der Abschlussveranstaltung in diesem Frühsommer. Er führte auch zu personellen Veränderungen. Doch er hat sich gelohnt.
Die neue Struktur
Über zwei Jahre hinweg wurden in allen Bereichen – von den Kitas und Familienzentren über die Offenen Hilfen und das Wohnen bis zur Verwaltung – Strukturen durchleuchtet, Rollen geklärt und die Zusammenarbeit neu justiert. Impulse aller Beteiligten sind eingeflossen. Die Ergebnisse werden von allen getragen und werden auch zukünftig weitere Entwicklung vorantreiben.
Wesentliche Aspekte der heutigen Organisation sind:
Klare Führung: Die Doppelspitze wird ersetzt durch eine neue Struktur. Geschäftsführerin Gesine Eschenburg wird in ihren Führungsaufgaben durch vier Bereichsleiter/-innen gestützt, die in ihren Fachbereichen mehr Verantwortung übernehmen. Die Entlastung im operativen Geschäft ermöglicht der Geschäftsführung einen intensiven Einsatz in strategischen, gesellschaftlichen und unternehmensstärkenden Aufgaben. Qualitätsmanagement, Controlling sowie die Unternehmenskommunikation stehen ihr dabei in direkter Linie zur Seite. Dies sichert eine zügige und effiziente Umsetzung von Aufgaben, die der internen Stabilität und der externen Wahrnehmung des Unternehmens dienen.
Gelebte Sozialraumorientierung: Die Klärung von Rollen und Prozessen im Bereich Wohnen war die Grundlage für die erfolgreiche Einführung der sechs Sozialräume. Die Teams arbeiten nun über die Grenzen von Wohnformen hinweg zusammen. Ein Meilenstein im Bereich Wohnen – vernetzte, wahre Teilhabe im Quartier. Vorangebracht haben diese bedeutende Entwicklung die Bereichsleitung Wohnen und Pflege Corinna Rulfs- Dreyer und ihre designierte Nachfolgerin Esther Fleischhauer, die schon mit einer halben Stelle ihre neue Funktion bekleidet.
Gestärkte Bereiche: Eine der neuen Bereichsleitungen und zudem Prokurist der Lebenshilfe Neuss ist Florian Rutten. Unter seiner Leitung wurden und werden die Offenen Hilfen in ihrer Angebotsvielfalt weiter ausgebaut. Zu den klassischen und altbekannten Angeboten der Offenen Hilfen sind 2025 einige hinzugekommen. Mit dem Lebenshilfe-Center, der Heilpädagogischen Frühförderung und den spezialisierten Autismus-Angeboten, ergänzt durch den Lebenshilfe-Rat, die Peerberatung und die Selbsthilfe, positioniert er die Offenen Hilfen als modernen, inklusiven und partizipativen Bereich. Ziel ist eine robuste Struktur, die Menschen mit Behinderung und ihre Familien verlässlich begleitet – heute und morgen.
Der neue Bereich Verwaltung wird von Judith Kammler, Bereichsleitung und ebenfalls Prokuristin der Lebenshilfe Neuss, geführt. Unter ihrer Leitung wurde die Verwaltung in ihrer Leistungsfähigkeit gestärkt. Mit der Überprüfung und Definition von klaren Prozessen und digital gestützten Abläufen entwickelt sie die Verwaltung weiter zu einer modernen, effizienten und serviceorientierten Partnerin für alle Bereiche des Unternehmens.
Durch hohe Fach- und Führungskompetenz hat Kerstin Horster, Bereichsleitung Kitas und Offene Jugendarbeit, die pädagogische Arbeit der 7 Kindertagesstätten/Familienzentren sowie des Kinder- und Jugendzentrums erfolgreich weiterweiterentwickelt. Mit großem Engagement setzt sie sich energisch wie diplomatisch gegen die Blockaden des Systems durch. Ihr Einsatz gilt der Sicherung einer inklusiven Betreuung für alle Kinder und Jugendlichen.
Unser Kompass für die Zukunft
Nach Abschluss der externen Begleitung profitiert die gesamte Neusser Lebenshilfe heute von mehr Klarheit, einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und einem gestärkten Gemeinschaftsgefühl. Doch Organisationsentwicklung ist kein abgeschlossenes Projekt. Oder wie Gesine Eschenburg sagt: „Entwicklung ist ein fester Bestandteil unserer DNA“.
Wir freuen uns darauf, mit unserem gemeinsamen Kompass die nächsten Kapitel der Erfolgsgeschichte „Lebenshilfe Neuss“ zu schreiben.