Am 14. Oktober veröffentlichte die NGZ drei Perspektiven auf Erfolg von Neusser Führungspersönlichkeiten. Unsere Geschäftsführerin Gesine Eschenburg war eine von ihnen.

Hier der NGZ-Beitrag: “Erfolg made in Neuss”

Das ganze Interview

mit Gesine Eschenburg, geführt von Sophia Kupferschmidt (NGZ)

Was bedeu­tet für Sie per­sön­lich Erfolg – und inwie­fern wür­den Sie sagen, dass Sie erfolg­reich sind?

Erfolg heißt, ein Ziel errei­chen. Und das ist sel­ten eine Ein­zel­leis­tung. Mein Erfolg besteht dar­in, an der Spit­ze eines Teams ste­hen zu dür­fen, das Ver­ant­wor­tung über­nimmt, krea­tiv, enga­giert und moti­viert unse­re Zie­le umsetzt. Mei­ne Auf­ga­be sehe ich dar­in, auf einer ver­trau­ens­vol­len Basis die Rah­men­be­din­gun­gen dafür zu schaf­fen.

Haben Sie Ihre beruf­li­chen Zie­le bis­her erreicht, oder gibt es noch Din­ge, die Sie unbe­dingt ver­wirk­li­chen möch­ten?

Mein beruf­li­ches Ziel, erfolg­reich, sinn­stif­tend und nach­hal­tig agie­ren zu kön­nen, habe ich mit der Lebens­hil­fe in Neuss erreicht. Das heißt aber nicht, dass es kei­ne Zie­le mehr gibt. Die Lebens­hil­fe wei­ter­ent­wi­ckeln zu kön­nen, ist eine tol­le und span­nen­de Auf­ga­be. Es gibt sehr vie­le neue Ideen, jedoch gleich­zei­tig viel finan­zi­el­len Druck von außen. Inso­fern weh­ren wir uns auch tag­täg­lich dage­gen, in der Sozi­al­bran­che kaputt gespart zu wer­den. Den Men­schen mit geis­ti­ger Behin­de­rung, denen wir eine Assis­tenz bie­ten, den vie­len Kin­dern in unse­ren Kitas, allen, die unse­re viel­fäl­ti­gen Ange­bo­te nut­zen und unse­ren inzwi­schen ca. 700 Mitarbeiter(inne)n gegen­über sehe ich mich in der Pflicht, finan­zi­el­le Sta­bi­li­tät und ste­ti­ge Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung mit hoher Qua­li­tät sicher­zu­stel­len.

Was war ent­schei­dend dafür, dass Sie heu­te dort ste­hen, wo Sie ste­hen? (eige­ner Ehr­geiz, Arbeit, Netz­wer­ke, Zufäl­le etc.)

Ich bin an der Ost­see gebo­ren und groß­ge­wor­den. In das Ende mei­ner Stu­di­en­zeit fiel die Wen­de – für mich das größ­te Geschenk über­haupt — bis heu­te. Einen Kar­rie­re­plan im klas­si­schen Sin­ne hat­te ich nicht. Ich habe jedoch die Gele­gen­heit genutzt, ganz neue Wege gehen zu kön­nen. Berufs­be­glei­ten­des Zweit­stu­di­um, bran­chen­frem­des Arbei­ten, Neu­es ver­su­chen – das gehör­te dazu. Und von Beginn an auch Netz­wer­ken, Gele­gen­hei­ten erken­nen, mutig und neu­gie­rig sein.

Gibt es Rou­ti­nen oder Gewohn­hei­ten, die Sie unter­stüt­zen?

Die obli­ga­to­ri­sche Par­tie Back­gam­mon und Gesprä­che am Abend mit mei­nem Mann. Und im Büro natür­lich fes­te und sehr offe­ne, wert­schät­zen­de  Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren. Im Grun­de gibt es in die­sem Job aber kaum Rou­ti­ne. Und das macht ihn auch sehr attrak­tiv.

Wie moti­vie­ren Sie sich?

Wenn Nutzer/-innen der Wohn­an­ge­bo­te mir ein Lächeln schen­ken, weil sich z. B. die Wohn­be­din­gun­gen ver­bes­sert haben, sie sich für eige­ne Inter­es­sen ein­set­zen, z. B. im Lebenshilfe-Rat, wenn Kin­der in Kitas fröh­lich toben – und Eltern die Ver­läss­lich­keit trotz schwie­ri­ger Rah­men­be­din­gun­gen zu schät­zen wis­sen – und wenn Mitarbeiter/-innen bei allem Job­stress for­mu­lie­ren, dass sie mit Begeis­te­rung bei der Lebens­hil­fe arbei­ten, ist das Ansporn, Moti­va­ti­on und Ver­pflich­tung zugleich.

Pro­kras­ti­nie­ren Sie auch manch­mal? Was tun Sie, um sich zu ent­span­nen?

Ich sehe es als Kern mei­ner Ver­ant­wor­tung, wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen zeit­nah zu tref­fen. Vie­le Men­schen ver­trau­en auf das Ergeb­nis. Daher prio­ri­sie­re ich sol­che Auf­ga­ben ganz bewusst. Füh­rung hat viel mit Ent­schei­dungs­freu­de zu tun. Für mich ist die ein­zig fal­sche Ent­schei­dung die nicht getrof­fe­ne.

Ent­span­nung fin­de ich bei Tref­fen mit Fami­lie und Freun­den, gutem Essen, Kurz­rei­sen und immer wie­der an der See – inzwi­schen auch gern der nie­der­län­di­schen Nord­see.

Haben Sie wei­te­re Anmer­kun­gen, die Sie uns ger­ne mit­tei­len wür­den?

Füh­rung ist eine for­dern­de Auf­ga­be, die stän­di­ge Bewe­gung impli­ziert. Mit dem Kom­pass in der Hand bege­be ich mich täg­lich auf einen Weg, auf dem es gilt, die rich­ti­gen Balan­cen zu fin­den  –  zwi­schen Sta­bi­li­tät und Neu­aus­rich­tung, zwi­schen kla­rer Linie und offe­nem Ohr. Ich bin ein direk­ter, struk­tu­rier­ter Mensch mit kla­ren Bot­schaf­ten. Kri­tik ist für mich ein Nähr­bo­den der Pro­duk­ti­vi­tät – in alle Rich­tun­gen; Respekt dabei aller­dings auch die not­wen­di­ge Basis. Erfolg ist, wenn sich das eige­ne Tun in posi­ti­ver Ent­wick­lung wider­spie­gelt. Und Motor ist dabei, dass ich es selbst gestal­ten kann.