Bereits seit 2019 stärkt Andre­as Gon­dorf die Auf­sichts­gre­mi­en der Lebens­hil­fe Neuss. Im März 2025 hat er den Vor­sitz im Ver­eins­vor­stand und im Auf­sichts­rat der gGmbH über­nom­men. Wie sei­ne Vor­gän­ge­rin hat der 55-jährige Fami­li­en­va­ter, der mit sei­ner Frau eine Immo­bi­li­en­ver­wal­tung lei­tet, einen per­sön­li­chen Bezug zur Lebenshilfe-Arbeit. Die­se per­sön­li­che Ver­bun­den­heit, das umfas­sen­de Ange­bot für Men­schen mit Behin­de­run­gen und die Wert­schät­zung jedes Men­schen haben ihn bewo­gen, sei­ne Wahl zum Gre­mi­en­vor­sit­zen­den anzu­neh­men. Von sei­ner Moti­va­ti­on, sei­nen Posi­tio­nen und Zie­len berich­tet er hier.

„Jeder muss für die Gesell­schaft leis­ten, was er kann in den ver­schie­de­nen Berei­chen.“ Das sei eine Grund­ein­stel­lung von ihm, so erklärt Andre­as Gon­dorf im Gespräch mit Gesi­ne Eschen­burg. „Für mich war ganz klar, dass ich als Ver­wand­ter eines Men­schen mit Behin­de­rung in die­sem Bereich mei­ne Kom­pe­tenz ein­set­ze und mich für die Gesell­schaft ein­brin­ge.“ Doch sich ein­zu­brin­gen sei das eine, den Vor­sitz zu über­neh­men, ein grö­ße­rer Schritt. Dass der Vor­stand sich ein­heit­lich für ihn aus­ge­spro­chen habe, hät­te ihn bewo­gen, zuzu­stim­men. „Freu­de berei­tet mir, dass ich mei­ne Kraft ein­brin­gen kann für etwas Gutes, das viel zu wenig Beach­tung fin­det; auch in der Öffent­lich­keit.“

Nähe zu den Men­schen und Zukunfts­fä­hig­keit

Die Nähe zu den Men­schen zeich­ne die Lebens­hil­fe aus. Fast 60 Jah­re Ent­wick­lung der Lebens­hil­fe Neuss hät­ten viel gebracht. „Sagen­haf­tes“ sei erreicht wor­den. Grund­sätz­lich gel­te des­halb „never stop a run­ning sys­tem“ – einer sei­ner Leit­sprü­che – auch hier. Gleich­zei­tig muss die Lebens­hil­fe sich mit den ande­ren Sozi­al­trä­gern für die Zukunft auf­stel­len. Die Anpas­sung an zukünf­ti­ge Gege­ben­hei­ten sei die Her­aus­for­de­rung, der man sich stel­len müs­se. „Ich spre­che davon, dass wir sehen müs­sen, wie sich der Sozi­al­be­reich in 10, 20 und 30 Jah­ren in Neuss gestal­tet.“ Wie sichert man dau­er­haft die Exis­tenz und in wel­cher Form, so lau­ten für ihn die ent­schei­den­den Fra­gen. „Der Markt ändert sich, die Nach­fra­ge steigt, die Finan­zie­rung wird schwie­ri­ger. Man­che sozia­len Trä­ger schnü­ren die Ange­bo­te enger oder stei­gen aus. Sein Ansatz sei ein ande­rer: Dass wir offen­siv raus gehen und sagen „ja, das bie­ten wir an“ – und „ja, das kön­nen wir bei aus­kömm­li­cher Finan­zie­rung über­neh­men“. Es sei ein gro­ßer Spa­gat zwi­schen Bedarfs­de­ckung und Finan­zie­rung.

Das Erleb­nis „Gemein­schaft“

Frei zu den­ken und Gedan­ken aus­zu­lo­ten, sei sein Weg: „Ich ste­he für ein offe­nes Kli­ma im Auf­sichts­rat, in dem jede/r ihre/seine Ideen äußern darf und soll. Dabei las­se er sich gern eines Bes­se­ren beleh­ren. „Ich bin bereit, immer noch dazu­zu­ler­nen – und das erwar­te ich von allen andern aber genau­so.“ Offen­heit und Respekt sind Leit­ge­dan­ken für das Unter­neh­men – und für ihn. Die Lebens­hil­fe Neuss ist für ihn eine agi­le Gemein­schaft, die sich geplant, struk­tu­riert und geschlos­sen in gro­ßen Schrit­ten nach vor­ne bewegt. Das sei genau der Grund, war­um er sich hier im höchs­ten Ehren­amt enga­gie­re. Dabei genie­ße er es, sich unter die Gemein­schaft zu mischen. „Es freut mich ein­fach, immer wie­der die Men­schen zu tref­fen, drum her­um, das ist mei­ne Welt. Seit 40 Jah­ren, seit ich einen Bru­der habe, der mit einer Behin­de­rung gebo­ren wur­de.“ Beim Kap­pes­sonn­tags­um­zug war es nicht zu über­se­hen: „Die­ses gemein­sa­me Erleb­nis mit Nutzer(inne)n, Mitarbeiter(inne)n, Ange­hö­ri­gen und Ehren­amt­li­chen in die­ser gro­ßen Grup­pe – auch wäh­rend des Umzugs – war über­wäl­ti­gend. Das heißt wirk­lich, man ist Teil des Gan­zen. Es war ein sagen­haf­tes Erleb­nis die­ses Jahr.“

Am Ende wie am Anfang, es ist ein Gedan­ke, den Andre­as Gon­dorf klar for­mu­liert, wenn er das Beson­de­re der Lebens­hil­fe Neuss beschreibt: „Die Nähe zu den Men­schen.“